Monterey Car Week Auctions

Die grossen Auktionen um Monterey waren ein Riesen-Erfolg, wenn auch überhöhte Erwartungen nicht immer erfüllt wurden. Schon am ersten Tag erzielten RM Sotheby’s, Mecum und Russo and Steele U$ 38.8 mio. Es wurden 73% der Angebote realisiert (zum Vergleich 2019 U$ 16.9 mio./49%). Über die drei Tage wurden insgesamt U$ 343 mio. erreicht, was einer Steigerung von 37% gegenüber 2019 entspricht. 

Diese wichtigsten Auktionen des Jahres reflektieren zu einem guten Grad den Classic Car-Weltmarkt. Insbesondere auch, weil in Zeiten der Pandemie weniger öffentliche Auftritte diesen Markt kaum transparent machten. Mein Auktions-Report basiert vor allem auf Informationen von Hagerty (zusätzliche Information und Links zu den Angeboten der Auktionshäuser), er erfolgt aus US-Sicht und ist deshalb nicht ohne weiteres auf unsere europäische Situation übertragbar.

Die Auswahl der genannten Auktionsobjekte hat keinen Vollständigkeitsanspruch.

Mercedes-Benz 540K Autobahn Kurier 1938

Nicht vergessen wollen wir den bedeutendsten „Schönheitswettbewerb“ des Jahres den der Mercedes-Benz 540K Autobahn Kurier 1938 von Arturo Keller, einem der bedeutendsten Sammler der Welt gewann. Die weiteren Preise sehen Sie hier Pebble Beach Concours 2021.

Übersicht Zuschläge nach Marken

Acura

Acura NSX 2022

Die erzielten U$ 1.1 mio. für den Acura NSX Type S 2022 sind nicht nur ein stolzer Wert, das Geld wurde einem Charity-Projekt zugeführt. Japaner erzielen seit längerer Zeit erstaunliche Preise und Wertzuwachs.

Allegretti

War wohl das erstaunlichste Gebot der ganzen Woche: Der Kinder-Rennwagen, Allegretti 1985 mit Benelli-Motorradmotor im Maserati 250F Look erzielte unglaubliche U$ 156’250.

Aston Martin 

RM Sotheby’s versteigerte die Paul Andrews Collection. Der Aston Martin DB4 GT Zagato 1962 verkaufte sich für U$ 9.520 mio., ein stolzer Preis, blieb aber doch etwas unter den Erwartungen (der teuerste Zagato erzielte 2015 U$ 14.4 mio.). 

Überraschend dagegen die finale Preisetikette am Aston Martin DB5 Convertible 1965, der U$ 3.195 mio. erzielte, mehr als U$ 900’ über der hohen Schätzung.

Der Aston Martin DB5 1964 aus der Peart-Collection blieb dagegen mit U$ 560’000 deutlich unter den Erwartungen. Ein weiterer Aston Martin DB 5 1965 brachte wiederum gute U$ 819’000.

Bugatti

Der Bugatti Type 35C 1929 erzielte einen neuen Rekord mit U$ 5.615 mio.

Der 65 Jahre jüngere Bugatti EB110 SS 1994 war mit U$ 2.755 ebenfalls rekordverdächtig.

Cadillac 

Cadillac Eldorado Biarritz 1959

Amerikaner gehen eigentlich nur in den USA richtig gut. So auch der Cadillac Eldorado Biarritz 1959, ein Riesenauto mit riesigen Heckflügeln, das mit U$ 313’000 ersteigert wurde. Ein weiterer Cadillac Club Coupé 1949 brachte ebenfalls stolze U$ 220’000.

Corvette

Für die Split-Window Corvette 1963 von Neil Peart, Drummer von Rush, wurden U$ 368’000 bezahlt.

Duesenberg

Der Duesenberg Model J „Butterfly“ 1929 für U$ 3,305 mio. veräussert, was, wie die weiteren Resultate, unterstreicht, dass die Live-Auktionen immer noch die bessere Wahl für hochklasisge Fahrzeuge sind. Online fehlt die fiebrige Stimmung im Saal und gegenseitige Hochstacheln.

Nicht schlecht auch der Erlös für den Duesenberg Model J Murphy Convertible Sedan 1929 bei Mecum mit U$ 2.365 mio.

Ferrari

Der Ferrari 250 GT Lusso 1963 wurde für U$ 1.875 mio. verkauft.

Ferraris sind weiterhin der Goldstandard. Selbst neuere Supercars wie F40, Enzo und LaFerrari, davon waren 7 Stück auf den Auktionen verkaufen sich zu Superpreisen (30% über dem Hagerty-Index für #1 Condition).

Ferrari 275 GTB 1966

RM Sotheby’s mehrere Ferraris auf der Auktion: F430 Spider 2007, 550 Barchetta 2001, Superamerica 2005, 612 Scaglietti 2005 und 599 GTB 2009, der mit U$ 709’000 obenaus schwang. Übrigens alles handgeschaltete Modelle, was zum Premium beiträgt. Dazu kamen noch zwei Rennsport-Modelle, der 268 SP 1962 (ehemals in Le Mans am Start) und der 275 GTB Competizione 1966 (ehemals Scuderia Filipinetti mit Klassensiegen in Le Mans, Spa und Imola, die beide U$ 7.705 mio. (interessant und etwas merkwürdig) brachten. Dieser GTB wurde übrigens vor 6 Jahren in Scottsdale noch für U$ 9.405 auktioniert.

Auch Mecum hatte einige Ferraris im Portfolio und auch die lieferten wie gewohnt eine gute Performance: Ferrari LaFerrari 2014 U$ 3.41 mio., Ferrari 275 GTB/6C Long Nose 1966 U$ 2.64 mio., Ferrari 500 Superfast 1965 U$ 1.875 mio., Ferrari 250 GT Lusso 1963 U$ 1.74 mio.

Für U$ 10.84 mio sehr gut verkauft wurde der Ferrari 250 GT LWB 1959, der, was von einem Luxus-Cabriolet nicht erwartet wird, sogar (etwas nicht besonders spektakuläre) Renngeschichte nachweisen konnte.

Mit dem Ferrari 250 GT TdF Coupé 1958 war Bonhams in Quail erfolgreich: U$ 6 mio. Seit Jahren werden die TdF-Modelle, Vorläufer der GTBs, ausserordentlich teuer vermarktet.

Ford 

Als einmaliges Exemplar erzielte der Ford Shelby Cobra Concept 2004 bei Mecum einen einmaligen Zuschlag für U$ 2.64 mio.

Der originale Shelby Cobra 427 Competition 1967 ging für U$ 2.86 mio.

Der Ford GT40 1966 erreichte mit U$ 5.1 mio. die tiefere Schätzung von 7 mio. bei weitem nicht. Trotz Alan Mann-Vergangenheit war die Renngeschichte mit zwei Trainingseinheiten in Sebring und Le Mans nicht genügend eindrücklich. Dafür verkaufte sich der Ford GT40 2005 (eigentlich eine Recreation) mit Paul-Walker-Bonus für gute U$ 478’000. Es zeigt sich einmal mehr, dass eine gute Geschichte und Vorbesitzerschaft bei den teuren Autos eine gewichtige Rolle spielt. Womöglich wegen uninteressanter Renn- und wilder Um-/Rückbaugeschichte blieb der Ford GT40 MkIV 1967 mit einem Gebot von U$ 2.5 mio. unverkauft.

Der Ford Shelby GT350R 1965 erzielte bei Mecum U$ 1.265 mio.

Jaguar

Nicht verkauft da 16% unter der tiefen Schätzung wurde der Jaguar D-Type 1956 (mit interessanter, finnischer, Renngeschichte) mit dem Höchstgebot U$ 4.2 mio.

Für den auf U$ 160’000 geschätzten, immerhin sehr schönen Jaguar E 1964 wurden dafür überraschende U$ 318’000 geboten. 

Massiv unter der Erwartung blieb auch ein Jaguar E-Type Lightweight Continuation 1963 (gebaut 2014) mit 30% unter dem tiefen Schätzwert, interessant dabei: das selbe Auto wurde im Oktober letzten Jahres für über 40% mehr von RM Sotheby’s in Elkhart verkauft. Continuation ist eben nicht Original, auch wenn vom originalen Hersteller gebaut. Diese Continuation-Geschichten fallen womöglich auf ihre Urheber zurück. Sie werden verkauft, verlieren aber dann womöglich rasch an Wert. Sie schaden nach meiner Ansicht auch der Wertigkeit der Originale. Zudem: Wie Jaguar dazu kommt, den Lightweight Continuation mit Jahrgang 1963 zu etikettieren, entzieht sich meinem Verständnis zusätzlich.

Maserati

Nicht verkauft blieb der wunderschöne Maserati A6G/54 1956 von Frua mit dem Gebot von U$ 2.3 mio. Maseratis sind nicht besonders werthaltig, trotz hervorragender Markengeschichte kommen sie nicht mal ansatzweise an Ferrari heran. 

McLaren

McLaren F1 1995

Der McLaren F1 1995 glänzte auch optisch bei Gooding mit U$ 20.465 mio., was das beste Resultat über alle Auktionstage bedeutete. Das erste McLaren-Strassenmodell geniesst eine unglaubliche Reputation.

Mercedes-Benz

Der Mercedes-Benz CLK GTR 1998 wurde für U$ 7 mio. nicht verkauft, gefordert waren hier  überhöhte U$ 8.5 mio.

Mercedes-Benz 26/120 1928

Richtig teuer wurde es dann beim Mercedes-Benz 26/120 Supercharged Sports Tourer 1928 mit U$ 5.395 mio. 

Goodings konnte für den Mercedes-Benz 300 SL Roadster 1963 hervorragende U$ 3.085 mio. lösen, für den Flügeltüren Mercedes-Benz 300 SL 1956 lediglich U$ 1.325 mio. Bei Bonhams brachte der ältere Flügeltüren Mercedes-Benz 300 SL 1955 U$ 1.71 mio.

Porsche

Interessant auch die U$ 80’850 (128% über dem oberen Schätzwert), die der Porsche 914 1976 bei Mecum erreichte.

Porsches sind generell etwas volatiler geworden. Sie sind schlicht zu wenig exklusiv, weil meist in grösseren Stückzahlen produziert und äusserst langlebig.

Porsche 911R 1968

Der Porsche 911R 1968 erreichte die Schätzung von US 4.5 mio. nicht, wird aber mit 3,36 mio. zum drittteuersten 911er aller Zeiten. Ein silberner Porsche Carrera GT brachte mit U$ 1.21 mio. den besten Preis seit 2016.

Nicht verkauft blieb der Porsche 550 Spyder 1955, der mit U$ 2.9 mio unter der Erwartung von 3.8 mio blieb. Das Auto hatte eine 3# condition Karosserie und, was schlimmer wiegt, nicht den originalen Motor.

Goodings verkaufte den Porsche 911 S 2.0 1967 mit „weicher Heckscheibe“ für stolze U$ 428’500.

Bei Mecums waren zwei Porsche neueren Jahrgangs angeboten: Porsche 918 Spyder Weissach 2015 U$ 1.595 mio. und Porsche Carrera GT 2004 U$ 1.21 mio.

U$ 1.93 mio. wurden für den Porsche 935 K3 1980 geboten, ein sehr gutes Ergebnis.

Porsche 917K 1970

Der hochgejubelte, mit hervorragender Renngeschichte ausgestattete Porsche 917K 1970 erfüllte die überhöhten Erwartungen trotz des Gebots von U$ 15 mio. nicht und blieb beim Besitzer. Er wurde nicht zum Star der Auktionen.

Rolls-Royce

Auch Vorkriegsautos wurden sehr hoch zugeschlagen, z.B. der Rolls-Royce Silver Ghost 1910 mit U$ 2.53 mio.

Der Rolls-Royce Silver Shadow 1974 erzielte ebenfalls erstaunliche U$ 77’000.

Stutz

Stutz 4E Bearcat 1914 verkaufte sich (ohne London-Brighton-Bonus) für glänzende U$ 2.92 mio.

Toyota

Immer wieder interessant die Ergebnisse für japanische Autos. U$ 1.6 mio für den Lexus LFA Nürburgring 2012 und U$ 134’000 für den Toyota Land Cruiser 1986 sind schon erstaunlich.

und dann noch: 

Airstream ex-Tom Hanks

Der Airstream-Wohnwagen von Tom Hanks profitierte vom Promi-Bonus, U$ 235’000, gegenüber normal marktgerechten U$ 70-100’000.

Die Top 10 der Monterey / Quail-Auktionen

1. U$ 20.465 mio.—1995 McLaren F1 Coupe, Gooding & Company

2. U$ 10.84 mio.—1959 Ferrari 250 California LWB Competizione Spider, Gooding & Company

3. U$ 9.52 mio. —1962 Aston Martin DB4 GT Zagato Coupe, RM Sotheby’s

4. U$ 7.705 mio.—1962 Ferrari 268 SP Spider, RM Sotheby’s

5. U$ 7.705 mio.—1966 Ferrari 275 GTB Long Nose Alloy Coupe, RM Sotheby’s

6. U$ 6 mio.—1958 Ferrari 250 GT TdF Coupe, RM Sotheby’s

7. U$ 5.61 mio.—1929 Bugatti Type 35B Grand Prix Roadster, Gooding & Company

8. U$ 5.395 mio.—1928 Mercedes-Benz 26/120/180 S Type Sports Tourer, Bonhams

9. U$ 4.405 mio.—1958 Ferrari 250 GT Cabriolet SI, Gooding & Company

10. U$ 4.13 mio.—1963 Shelby Cobra 289 R&P Roadster, RM Sotheby’s

Um es nochmals zu wiederholen: Ferrari ist der Gold-Standard, fünf der Top 10 stammen aus Maranello. Sie erzielten zusammen U$ 36. mio. oder über 10% des Gesamtumsatzes aller Auktionen. 

Einmal mehr ist ein McLaren F1 mit mehr als U$ 20 mio. der Spielverderber.

Bei den Auktionshäusern gewinnt RM Sotheby’s mit grossem Abstand. Sie erzielten einen Gesamtumsatz von U$ 148.528 mio. und verkauften 90% ihres Angebots. 44 lots überstiegen U$ 1 mio., 16 lots U$ 3 mio. und 4 lots U$ 5 mio. Als Sammlung war die Paul Andrews Estate Collection mit U$ 34.4 mio. und verkauften 25 von 26 lots ausserordentlich erfolgreich.

Goodings erzielte einen Umsatz von U$ 107 mio., Bonhams in Quail Lodge U$ 36.9 mio.

Ein erstes Fazit:

Der Erfolg der Auktionen von Monterey und Quail kann als herausragend bezeichnet werden. 2015-16 werden nicht mehr erreicht, der Einbruch beträgt gegenüber dieser Spekulationshausse zwischen 10 und 20%. Es sind wieder die wahren Enthusiasten, welche die Preise regulieren, wobei die Auktionshäuser das nicht immer einsehen wollen und bei Fantasie-Vorstellungen bleiben. Ob sich die amerikanische Stimmung auf Europa überträgt? Hier ist etwas Skepsis angebracht.